NIKON 1 V3: Die Systemkamera von Speedy Gonzales

Meine Laufbahn als Grafikdesigner und Redakteur ist wirklich vielschichtig. Einer meiner ersten Berufsstationen war der Job als Fotografie Assistent im spanischen Andalusien. Meine aller erste Kamera war damals die Nikon D40. Eine absolute Einsteiger Spiegelreflexkamera mit nur 6 Megapixeln. Aber ich verliebte mich damals in die Bildqualität der Kamera, die für mich als Berufseinsteiger absolut zu bezahlen war. Obwohl ich in der letzte Zeit mit Canon, Pentax und anderen Hersteller exprimiert hatte, bin ich dennoch Nikon treu geblieben.

Die immer besser werdenden Systemkameras sind besonders im privaten semi-professionellen Bereich beliebt. Kleine, handliche Kameras, die eine ähnlich gute Bildqualität wie Spiegelreflexkamera haben, sind die Zukunft der Fotografie. Mit der Nikon 1 V3 bekam ich die Chance herauszufinden, in wie weit eine Systemkamera in meine Fotografie Ausstattung gehört. Ob die Nikon 1 V3 sogar meine Spiegelreflexkamera ersetzen kann, zeigt unser Test.

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Nikon 1 V3: Kompakte und leichte Systemkamera

HANDLICH UND SCHICK

Der erste Eindruck von der Nikon 1 V3 ist hervorragend. Das leichte und kompakte Gehäuse der Systemkamera besteht aus Metall und ist einwandfrei verarbeitet. Der Griff und die Daumenmulde sind gummiert, damit die Kamera griffiger in der Hand liegt. Für meine kleinen Händen sind die kompakten Abmessungen optimal, da die Kamera meine Hand fast ausfüllt. Für größere Hände gibt es einen separat erhältlichen Handgriff, der das Griffvolumen der Kamera erhöht. Auch das Bedienkonzept vom Nikon 1 V3  kann überzeugen: Die drei FN-Knöpfe kann man individuell mit Funktionen belegen, so dass mein sich die Bedienung auf seine eigene Wünsche anpassen kann. An der Seite vom Handgriff ist eine Klappe verbaut, hinter der sich eine USB- wie auch Micro-HDMI-Schnittstelle verbergen. Anders als bei vielen mir bekannten Kameras, passt in den Speicherkartenslot nur eine Micro-SD Karte. Für mich persönlich ein Novum, aber ich konnte mich während des Testes an die kleine Micro-SD Karte gewöhnen. Man muss sich nur bewusst sein, dass sie aufgrund der Größe schneller verloren gehen kann.

Das 3 Zoll große Touchscreen integriert sich gut in das Design der Kamera. Der Bildschirm löst mit 345.666 RGB-Pixeln fein auf, das 3:2 Format ist gut gewählt und auch das Navigieren per Touch-Eingabe ist kinderleicht. Per Touch-Bedienung kann man dann auch direkt drauf los schießen. Das macht echt richtig Spaß. Im Videomodus kann man per Fingertipp das Autofokusfeld wählen, das geht leider beim Fotografieren nicht. Für Leute, die auf bewährte Mechanik vertrauen, hat sich Nikon etwas überlegt: Man kann die Touchfunktion vollständig abstellen und die Kamera nur mittels haptischen Tasten steuern. Der Bildschirm lässt sich dabei um bis zu 90 Grad nach unten oder oben klappen.

Was mir als Benutzer von einer Spiegelreflexkamera im ersten Moment gefehlt hatte, war ein eingebauter elektronischer Sucher.

Auch hier kann man aber mit einem separat erhältlichen Aufstecksucher Abhilfe schaffen. Aber das ist mit 350 Euro leider kein günstiges Vergnügen: Dafür bekommt man aber einen elektronischen Sucher, der optimal zur Nikon 1 passt. Außerdem sucht man einen klassischen Blitzschuh bei der V3 vergeblich. Stattdessen bedient sich Nikon einer eigenen Schnittstelle, an der nur wenige Systemblitze Platz finden. 

Insgesamt überrascht uns die Nikon 1 V3 mit einer fast optimalen Verarbeitung und hochwertigen Materialien. Für Menschen mit großen Händen können wir den anschraubbaren Handgriff für 180 Euro empfehlen. Der elektronische Sucher ist exzellent, aber mit 350 Euro ziemlich teuer.

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Nikon 1 V3: Display

EINFACHE BEDIENUNG UND GROSSE AUSSTATTUNG

Neben dem schwenkbaren Touchscreen und einem Hybrid-Autofokus überzeugt die Nikon 1 V3 besonders durch die zeitgemäße Ausstattung: Eine WLAN Funktion für eine drahtlose Bildübertragung und Fernsteuerung sind mit am Board. Beim Sensor hält Nikon bei der V3 weiter am 1-Zoll-Format fest. Schade, denn die Konkurrenz verwendet mit APS-C meist deutlich größere Sensoren. Trotz der kleinen Sensorfläche von 13,2 mm x 8,8 mm bringt es die Nikon 1 V3 auf ganze 18,4 Megapixel. Für mich absolut ausreichend, aber dennoch gibt es ein Wermutstropfen: Mit einer niedrig förderlichen Blende von f4.1 ist Abblenden kaum möglich. Das größte Problem eines 1-Zoll großen Sensors ist die geringe Lichtempfindlichkeit. Dadurch entsteht viel schneller ein unschönes Rauschen und auch die Bildqualität leidet im Vergleich zu größeren Sensoren. Auf einem Tiefpassfilter hat Nikon bei der V3 verzichtet, dadurch wird der berühmte Moiré-Effekt verhindert. Der ISO Bereich geht von 150 bis ganze 12.800. Eine echte Weiterentwicklung zum Vorgänger V2, bei der schon bei 6.400 ISO Schluss war. Außerdem besticht die Nikon 1 V3 mit einer Sensorreinigung und einem ausklappbaren Blitz. Dieser fällt aber ziemlich schwachbrüstig aus, weswegen ein passender Systemblitz eigentlich Pflicht ist. Die nötige Bildstabilisierung erfolgt durch das Objektiv.

Zur Aufnahme gibt es am Drehrad die bekannten P,S,A,M und Automatik Modi. Daneben gibt es noch unterschiedlich andere Modi wie die Miniatur, HDR, Spielzeugkamera, Farbfilterpalette und ein bewegten Schnappschuss. Außerdem gibt es erweitere Videofunktionen und den „Best Moment Capture“ Modus. Damit kann man während einer Videoaufnahme ein bestimmtes Bild oder eine Sequenz ganz einfach einfangen. 

Insgesamt lassen sich besonders mit der Touchfunktion schneller gute Fotos schießen als mit einer Spiegelreflexkamera. Besonders für Anfänger und Kompaktkamera-Aufsteiger, ist das Bedienkonzept der Nikon 1 V3 leicht zu erlernen.

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Nikon 1 V3: Hochwertig verarbeitet

ÜBERRASCHEND GUTE BILDQUALITÄT

Meine Erwartungen an die Bildqualität waren durch den kleinen 1-Zoll Sensor (13,2 x 8,8 mm) nicht besonders groß. Überrascht wurde ich dann von der sehr hohen Bildqualität bei guten Lichtverhältnissen. Je schlechter die werden, desto mehr muss sich der kleine Sensor gegenüber den APS-C und Vollformatsensoren der Konkurrenz im Rauschverhalten geschlagen geben. Das bedeutet: Mit einer ISO bis 800 kann man erstklassige Bilder schießen. Ab einer ISO von 3600 werden Bilder dann zunehmend von einem Bildrauschen und flachen Farben überzeugen. Durch die stark zupackende Rauschunterdrückung fehlt es denn Bilder dann auch an der nötigen Feinzeichnung.

Full-HD Videos lassen sich mit der Nikon 1 V3 kinderleicht aufnehmen. Neben der normalen Videoaufnahme, beherrscht die V3 auch Zeitlupen Videos mit 120 Bildern pro Sekunde, Zeitraffer, Jumpcut und eine 4-Sekunden Clip Belichtungssteuerung.

SCHNELLER ALS DER WIND

Besonders stolz ist Nikon auf das neue Autofokus-System und das zur Recht. Dabei setzt man wie auch beim Vorgänger auf einen Hybrid-Autofokus, der neben der Messung von Kontrasten auch die Phasenerkennung beherrscht. Das System kann dadurch mit ganzen 151 Fokusmessfelder glänzen. Die Geschwindigkeit ist atemberaubend. 

Die Nikon 1 V3  schafft es auf ganze 60 Bilder pro Sekunden. 60 Stück!!! Das schafft meine Profi-DSLR nicht.

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Nikon 1 V3: Gutes Bedienkonzept

NIKON 1 V3: FAZIT UND INNOVATIONS-CHECK

Die Nikon 1 V3 ist eine außergewöhnliche Systemkamera. Die einfache Bedienung und das schnelle Autofokus System punkten auf ganzer Linie. Besonders Fotografie-Laien schaffen es mit der Nikon 1 V3 in kürzester Zeit gute Aufnahmen zu machen. Außerdem ist die Systemkamera so klein, dass sie überall reinpasst und im Vergleich zu einer schweren, großen Spiegelreflexkamera einfach den „Immer-Dabei“ Vorteil hat. Leider setzt Nikon noch immer auf einen kleinen 1-Zoll großen Sensor, der besonders im Rauschverhalten gegenüber APS-C Systemkameras und Spiegelreflexkameras das Nachsehen hat. Auch Full-HD Videos lassen sich mit der V3 aufnehmen, mit dem „Best Moment Capture“ lassen sich zudem Einzelbilder festhalten. Durch die WLAN Funktion kann die Systemkamera mit einer zeitgemäßen Ausstattung glänzen. Für ein Nikon 1 V3 Kit mit einem 10-30 mm Objektiv muss man zurzeit 750 Euro ausgeben. Bei dem Preis wird die Luft auf dem Systemkamera Markt ziemlich dünn, denn besonders die Olympus OM-D E-M10 bietet wahrscheinlich das bessere Gesamtpaket für einen ähnlichen Preis.

Was heißt das für mich?
Ich bin schon ganz heiß meine Fotografie Ausstattung mit einer Systemkamera zu bereichern. Vielleicht nicht als Ersatz für meine Spiegelreflexkamera, aber als Zusatzgerät ist eine Systemkamera eigentlich für jeden Fotografen Pflicht. Die Bildqualität der Systemkameras wird immer besser und zu einer großen Gefahr für DSLR. Die kompakte Abmessung und das niedrige Gewicht sind Vorteile, die eine Systemkamera zum „No-Brainer“ machen.

Mit der Sony Alpha 7 gibt es auch die erste Vollformat-Systemkamera, Fortsetzung folgt …

8.5
Nikon 1 V3

Pros

  • Hochwertige Materialien und Verarbeitung
  • Gutes Bedienkonzept
  • WLAN-Funktionen
  • Kompakt & leicht
  • Full-HD Aufnahme

Kontras

  • Kein integrierter Sucher
  • Neigt zu Bildrauschen
  • Für große Hände zu kompakt

Unser Fazit


Design
9
Verarbeitung
10
Bedienkonzept
9
Bildqualität
7
Preis-Leistung
6